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Mama-Burnout: Wenn alles zu viel wird

  • Autorenbild: Anna Ledderboge
    Anna Ledderboge
  • 9. Okt.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Okt.

Es liegt nicht an dir, wenn du dich erschöpft fühlst. Es liegt an einem System, in dem Mütter immer noch die Hauptverantwortung tragen – sichtbar und unsichtbar. Wir organisieren Kinderbetreuung, denken an Arzttermine, planen Familienfeste, erledigen Geburtstagsgeschenke, putzen, kochen und trösten – oft parallel zu Job oder Studium.

Und ja, natürlich lieben wir unsere Kinder. Genau deshalb wollen wir es gut machen. Wir wollen, dass sie sich geborgen fühlen, dass sie lachen, dass sie in einer schönen Welt groß werden. Doch dieses Ideal – die „perfekte Mutter“ – ist kaum zu erreichen. Wenn du ständig versuchst, allem gerecht zu werden, gerätst du unweigerlich in ein Ungleichgewicht. Dann gibt es Tage, da bist du am Ende deiner Kraft. Das ist normal. Fast jede Mutter kennt diese Momente in denen die Erschöpfung groß ist. Und es ist heilbar, wenn du beginnst, die Verantwortung gerechter zu verteilen – und dir selbst denselben Respekt entgegenbringst, den du deiner Familie gibst.


Dieser Zustand hat einen Namen: Mama-Burnout. Und er hat eine Ursache, die weit über „zu viel Stress“ hinausgeht.


Was Mama-Burnout wirklich bedeutet

Mama-Burnout ist kein Modewort, sondern eine reale Form von Erschöpfung, die aus Dauerbelastung in der Elternrolle entsteht. Es ist mehr als Müdigkeit, sondern ein Zustand, in dem selbst die schönste Zeit mit den Kindern sich manchmal leer anfühlt. Du liebst sie – das steht außer Frage. Doch irgendwann reicht Liebe allein nicht mehr, wenn Schlaf, Unterstützung und Ruhe fehlen.


Forscher*innen wie Isabelle Roskam und Moïra Mikolajczak haben gezeigt: Mama-Burnout (wissenschaftlich Parental Burnout) entsteht, wenn die Anforderungen des Elternseins über längere Zeit die verfügbaren Ressourcen übersteigen. Der Körper kann sich nicht mehr erholen, das Gehirn bleibt im Dauerstressmodus. Typisch sind drei Dinge: tiefe emotionale Erschöpfung, das Gefühl, innerlich von den Kindern abzurücken und die Trauer darüber, nicht mehr die Mutter zu sein, die man früher war oder so gerne sein möchte.


Mental Load – die unsichtbare Arbeit im Kopf

Viele Mütter rutschen genau deshalb in Erschöpfung, weil sie ständig denken müssen: Wann ist der nächste Impftermin? Wer kauft neue Schuhe? Was gibt es zum Mittagessen? Ist noch Waschmittel da? Dieses ständige Vorausdenken, Planen und Merken ist der sogenannte Mental Load – die unsichtbare Arbeit im Kopf, die niemals endet.

Das Problem: Mental Load ist kaum sichtbar und wird selten als Arbeit wahrgenommen. Viele Partner (wir sprechen hier von den Männern, da heute noch immer der Mental Load hauptsächlich bei den Müttern liegt) "helfen" (streng genommen helfen sie nicht, denn sie übernehmen eigentlich hier nur Aufgaben, die genauso bei ihnen, wie bei den Müttern liegen) im Haushalt oder bei den Kindern – aber sie übernehmen selten die mentale Verantwortung. Sie warten, bis etwas gesagt wird, anstatt selbst zu sehen, was zu tun ist. Und so bleibt das Denken, Planen und Erinnern an der Mutter hängen.

Das hat nichts mit bösem Willen zu tun. Oft wissen Männer gar nicht, was Mental Load bedeutet – weil niemand es ihnen erklärt hat. Doch diese kognitive Dauerbelastung ist nachweislich einer der stärksten Faktoren für Mama-Burnout. Studien der University of California und der APA zeigen: Frauen mit hoher mentaler Arbeitslast haben ein deutlich erhöhtes Risiko für chronische Erschöpfung und emotionale Überforderung.



ausgebrannte Streichhölzer
Warten Sie nicht, bis Sie ausgebrannt sind. Suchen Sie sich Unterstützung, schaffen Sie sich Auszeiten.

Wenn Männer das Problem nicht verstehen – und wie du das ändern kannst

Viele Mütter berichten: „Mein Partner unterstützt, aber er versteht das Problem nicht.“ Genau hier liegt der Kern. Hilfe ist nicht dasselbe wie Verantwortung teilen. Wenn du immer wieder darum bitten musst, dass etwas getan wird, bleibt die mentale Last bei dir. Wenn du dem Partner beispielsweise sagen musst, dass die Waschmaschine ausgeräumt und die Torte für die Geburtstagsfeier abgeholt werden muss, dann hast du dennoch alles im Kopf und er führt nur aus.

Sprich das konkret an. Sag nicht nur: „Ich bin überfordert“, sondern: „Ich trage die ganze Planungsarbeit – und das erschöpft mich.“ Erkläre, was Mental Load bedeutet: Es geht nicht um einzelne Aufgaben, sondern um das ständige Denken an alles gleichzeitig.

Praxistipp: Lass deinen Partner ein Wochenende lang alles planen, besorgen und erledigen, was anliegt. Angefangen beim Familienfrühstück, über Aktivitäten, den Wocheneinkauf, bis hin zur Hausarbeit. Du musst damit rechnen, dass nicht alles passieren wird, was du dir vorgestellt hast, dass Dinge liegen bleiben oder anderes erledigt werden, als du es gewohnt bist, aber so wird er wird schnell verstehen, was du täglich leistest und wie herausfordernd das sein kann.

Im Alltag kann richtige Unterstützung dann so aussehen, dass der Partner regelmäßig Routineaufgaben übernimmt (z.B. immer den Einkauf, immer die Wäsche) so hast du weniger im Kopf und musst nicht immer dran erinnern.


Warnzeichen: Wann aus Stress Erschöpfung wird

Du solltest genauer hinhören, wenn du dich seit Wochen kraftlos fühlst, nachts wachliegst, dich schuldig fühlst, weil du genervt bist, oder immer öfter denkst: „Ich kann nicht mehr.“ Wenn du merkst, dass du dich innerlich von deinem Kind entfernst oder kaum noch Freude an Momenten hast, die früher schön waren.

Diese Symptome sind kein persönliches Versagen. Sie sind Signale deines Körpers und deiner Psyche, dass du über deine Grenzen hinaus arbeitest. Burnout entsteht nicht, weil du zu wenig liebst, sondern weil du zu viel gibst – ohne genug zurückzubekommen.



Was wirklich hilft – Schritt für Schritt zurück in die Balance


  • Sprich es aus. Sag ehrlich, wie du dich fühlst. Mit deinem Partner, einer Freundin, deinem Arzt oder einer Therapeutin. Worte schaffen Bewusstsein.

  • Verteile Verantwortung und mache Aufgaben sichtbar. Schaffe innerhalb der Familie / mit deinem Partner feste Zuständigkeiten. Das entlastet deinen Kopf spürbar. Schreibt gemeinsam alle regelmäßigen Aufgaben auf – vom Windelnachkauf bis zum Geburtstagsgeschenk.

  • Nachfassen: Sprecht regelmäßig über anliegende Aufgaben und verteilt sie gerecht. Mit der Zeit wird sichtbar, wie viel Last unsichtbar war – und wie sehr sich echte Gleichverteilung positiv auf euer Familienklima auswirkt.

  • Verantwortung komplett übergeben. Wenn dein Partner eine Aufgabe übernimmt, soll sie wirklich aus deinem Kopf verschwinden. Wenn etwas anders gemacht wird als du es tun würdest, lass es so. Perfektion ist weniger wichtig als Entlastung.

  • Mach dich nicht perfekt. Es ist keine Pflicht, alles zu schaffen. Kinder brauchen keine perfekte Mutter – sie brauchen eine präsente, halbwegs entspannte Mutter.

  • Plane Pausen wie Termine. Eine Stunde täglich nur für dich ist kein Luxus. Es ist Regeneration.

  • Hol dir professionelle Unterstützung. Wenn Erschöpfung und emotionale Distanz anhalten, ist psychologische Begleitung sinnvoll. Viele Therapeut*innen sind mittlerweile auf Eltern-Burnout spezialisiert.

  • Such Gemeinschaft. Austausch mit anderen Müttern hilft. Zu wissen, dass andere dieselben Gedanken haben, wirkt befreiend.



me-time, eine frau liest ein buch
Baue bewusst Pausen in deinen Alltag ein.

Ein ehrlicher Blick zum Schluss

Wir alle geraten manchmal an unsere Grenzen. Nicht, weil wir zu wenig lieben – sondern weil wir zu viel tragen. Liebe ist unendlich, aber Energie nicht. Du darfst müde sein, du darfst Hilfe brauchen, du darfst Dinge abgeben.

Du bist eine gute Mutter – auch, wenn du dich gerade erschöpft fühlst. Vielleicht sogar gerade deshalb. Denn du gibst Tag für Tag alles für dein Kind. Jetzt ist Zeit, auch etwas für dich zu tun.



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