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Mein Kind will nicht teilen – wie du dein Kind einfühlsam dabei begleitest

  • Autorenbild: Anna Ledderboge
    Anna Ledderboge
  • 20. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Wer Kinder hat, kennt sie: die unvermeidlichen kleinen Streitigkeiten auf dem Spielplatz. Dein Kind buddelt zufrieden mit Schüppchen und Eimer, plötzlich greift ein anderes Kind nach dem Spielzeug. Tränen fließen, das Geschrei beginnt – und du stehst ratlos daneben. Solche Momente können frustrierend sein, gehören aber zur normalen kindlichen Entwicklung dazu. Kleine Kinder verstehen den Unterschied zwischen „meins“ und „deins“ noch nicht und haben noch kein intuitives Gefühl dafür, wie Teilen funktioniert. Genau solche Situationen bieten jedoch die Chance, soziale Fähigkeiten Schritt für Schritt zu erlernen und Empathie zu entwickeln.


In diesem Artikel erfährst du, warum das so ist, wie du dein Kind liebevoll begleitest und warum Zwang hier nicht hilft. Außerdem schauen wir uns an, wie die gleichen Prinzipien für „Bitten“, „Danke sagen“ und „Entschuldigen“ gelten.


kinder streiten um ein spielzeug
Kleine Kinder müssen das Teilen erst noch lernen.

Kinder teilen nicht gerne und warum Zwang Empathie verhindert

Eltern wünschen sich verständlicherweise ein höfliches, soziales Kind. Im Alltag zeigt sich das oft so: An der Bäckertheke bekommt das Kind ein Brötchen geschenkt, und die Mutter sagt: „Sag Danke“ oder „Wie sagen wir?“ Gleiches passiert beim Bitte-Sagen oder beim Entschuldigen: „Wie heißt das Zauberwort?“ Doch genau hier funktioniert es nicht. Das Kind wird gezwungen, etwas zu sagen, das es nicht wirklich fühlt, wird vermutlich beschämt auf den Boden schauen und ein kaum hörbares „Danke“ murmeln.


Ähnlich verhält es sich auf dem Spielplatz: Kindern wird ihr Spielzeug von den eigenen Eltern entrissen, damit fremde Kinder damit spielen können – und das schon bei den Kleinsten. Der Grund ist vermutlich, dass viele Eltern glauben, dass man das Teilen früh üben muss. Dabei werden die eigenen Kinder in solchen Momenten übergangen und ihre Gefühle ignoriert.


Das gute Vorbild – so bringst du deinem Kind das Teilen bei

Statt Kinder zum Teilen zu zwingen, ist es viel wirkungsvoller, sie in ihrer emotionalen Wahrnehmung ernst zu nehmen und Konflikte achtsam zu begleiten. Ein zentraler Schlüssel liegt dabei im eigenen Verhalten: Kinder lernen vor allem durch Vorbilder und beobachten ihre Bezugspersonen sehr genau – wie man miteinander umgeht, teilt und aufeinander Rücksicht nimmt.


Wenn Eltern im Alltag zeigen, wie Höflichkeit funktioniert und dass Gefühle respektiert werden, erleben Kinder soziale Regeln nicht als Zwang, sondern als gelebte Praxis.

Dabei kommt es nicht auf perfekte Gesten an, sondern auf ehrliche, sichtbare Handlungen, die Mitgefühl und Rücksicht vermitteln. Indem Eltern ihre eigenen Gefühle beim Teilen benennen, sich bei anderen bedanken und höflich sind, lernen Kinder Schritt für Schritt freiwillig zu teilen und empathisch auf andere einzugehen. Beim Bäcker bedeutet das, dass DU dich nett für das Brötchen bedankst und nicht etwa das Kind dazu zwingst. Das Kind sieht, versteht und lernt.


Tipps - So kannst du dein Kind spielerisch zum Teilen anleiten

  • Gefühle benennen: Wenn ein Konflikt um Spielzeug entsteht, sage z. B.: „Du bist traurig, weil dein Baustein gerade weggenommen wurde.“ So lernt dein Kind, Emotionen wahrzunehmen und zu benennen.

  • Kleine Austauschrituale: Lass Kinder abwechselnd Spielzeug nutzen, z. B. „Jetzt darf Mia den Ball haben, danach bist du wieder dran.“ Das vermittelt Fairness ohne Zwang.

  • Erfahrungen ermöglichen: Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Basteln, Kochen oder Aufräumen können Kinder üben, Materialien zu teilen.

  • Positive Verstärkung: Lobe und kommentiere, wenn dein Kind von sich aus teilt: „Super, dass du deinen Buntstift weitergegeben hast.“

  • Konflikte begleiten, nicht lösen: Greife nur ein, wenn es notwendig ist. Gib dem Kind Raum, selbst Lösungen zu finden, und unterstütze es dabei sanft.

  • Gemeinsame Regeln besprechen: Formuliere einfache Regeln, z. B.: „Wir fragen, bevor wir etwas nehmen.“ oder „Jeder darf sein Spielzeug behalten, solange er es braucht.“

  • Abwechslung von Geben und Nehmen: Zeige, dass Teilen nicht bedeutet, alles abzugeben, sondern dass Geben und Nehmen im Wechsel passiert – so fühlt sich dein Kind nicht übergangen.

  • Vorfreude aufs Teilen schaffen: Lade Freunde ein oder plane kurze Spieltermine, bei denen Kinder zusammen spielen und spielerisch lernen, Dinge zu teilen.

  • Spielzeug bewusst anbieten: Wenn dein Kind zunächst nicht teilen möchte, frage es Kind, ob es ein Spielzeug hat, das es nicht mehr braucht, weil es selbst schon zu groß dafür ist. Vielleicht könnte ein anderes Kind dieses Spielzeug bekommen, damit es auch etwas zum Spielen hat. So fühlt sich dein Kind ein bisschen überlegen und gibt eher freiwillig etwas ab. Im Laufe des gemeinsamen Spiels wird es vielleicht sogar die „guten“ Spielzeuge teilen, denn zusammen spielen macht meistens viel mehr Spaß.

  • Sei gutes Vorbild.


kinder spielen gemeinsam
Zusammen spielen und teilen kann schön sein, muss aber erlernt werden.

Dein Kind will dennoch nicht teilen

Mach dir bewusst, dass wenn dein Kind nicht teilen will, das kein Zeichen von Egoismus oder schlechter Erziehung ist – es ist völlig normal und entwicklungsbedingt. Wenn es also mal nicht klappt, ist das okay. Zwinge dein Kind nicht, denn das führt nicht zu echtem Verständnis. Stattdessen sind Begleitung und Geduld der Weg. Mit Einfühlungsvermögen legst du den Grundstein für ein selbstbewusstes, empathisches Kind.



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